Erkenntnis // Einsicht

Der Unterschied zwischen Schriftkünstlern und Laien wir mir ist wohl, dass besagte Künstler jederzeit schreiben können, aus ihrer Erinnerung. Emotionen umwandeln können in Zeichen, Worte, Syntax. Eine Moment Realität schaffen und feshalten, verewigen und dadurch immer wieder fühlbar machen.

Wollte ich Emotionalität und Empfindung wahrhaftig ausdrücken, ich müsste schreiben, während mir jemand das Gesicht einschlägt. Während ich mit meinem Schwanz in einer Frau stecke. Während ich langsam am Hirntumor verrecke. Den besten Burger meines bisherigen Lebens vertilge. Während die Herbstsonne, sterbende Blätter durchscheinend, mein Gesicht erwärmt. Ich mit dem Auto und viel zu hoher Geschwindigkeit in stehenden Verkehr rase, sich das Fahrzeug in Sekundenschnelle zusammenstaucht, meinen Körper – mit den Beinen beginnend – komprimiert, zermahlt.

Das Danach: Ein Zerrbild rasch verblassender Erinnerung. Mit jedem Moment zwischen Erleben und Niederschreiben entferne ich mich weiter von der Realität des Augenblicks, hin zu einer verträumt-verklebten löchrigen Reminiszenz; unfähig, passende Worte zu finden. Vom Gefühl her das Gehirn in der Zwangsjacke oder einer stetig anziehenden Schraubzwinge.

Anschauliches Beispiel: Der vorangegangene Absatz.

Furchtbar: Das Empfinden, keine Verbesserung zu erzielen. Auf der Stelle zu treten, knietief im Morast. Zu sinken statt zu steigen.

6 Gedanken zu „Erkenntnis // Einsicht

  1. Aus dem Steh-greif heraus schreiben zu können von Erlebten, Gefühlen und den Restlichen Dingen die man in Worte fassen kann, mag auf den ersten blick wie eine Gabe erscheinen.
    Dennoch beherbergt sie einen Fluch, man kann die Sachen nicht vergessen, man schleppt sie ein Leben lang mit sich ob nun Positiv oder Negativ. Man fängt immer wieder an in der Vergangenheit herum zu schleichen und vergleicht viel zu oft das Jetzt mit dem Vergangenen.
    Da wünscht man sich oft um so mehr 5 Minuten mal abschalten zu können, sich ein paar Minuten von dieser Unendlichen Festplatte auszuklinken. Aber das funktioniert dann nur bei ganz bestimmten „Erlebnissen“ wo das dann möglich ist.

    Alles hat seine Kehrseite, daher sollte man Acht-geben was man sich wünscht, es könne sich ja irgendwann erfüllen.

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    1. Das sind wahre Worte … wobei unterschieden werden sollte zwischen der Fähigkeit, Gedanken und Erinnerungen in adäquate Worte zu fassen und einem ‚photographischen Gedächtnis‘ (oder welchen korrekten Fachbegriff man hierfür auch verwenden mag).

      Ersteres erachte ich als Gabe, letzteres mit ziemlicher Sicherheit als Fluch.

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  2. Ich glaube, dass ich manchmal ein Gefühlsfoto einer Situation mache…
    ich hab jemandem Mal erklärt, dass ich nicht so bin, weil ich schreibe, sonder schreibe, weil ich so bin…
    Auf die Frage, ob ich wegen meines Blogs Dinge nicht mehr genießen kann..

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    1. Etwas zu sein (oder: zu werden), weil man darüber schreibt passiert hoffentlich nur in geplanten Ausnahmen (zum Beispiel im Rahmen einer Doktorarbeit). Gott bewahre, jeder Thriller-Autor wäre auch ein Massenmörder …

      Hier liegt natürlich eine weitere Krux – und die Notwendigkeit, diese genauer auszuformulieren. Muss doch unterschieden werden zwischen Tatsachenberichten und Fiktion.

      Ein Tatsachenbericht, etwa in Form eines Tagebuchs (looking at you, Mde. remi1a), wirkt aufgrund unterschiedlicher Faktoren von Grund auf authentischer, realer. Weil die niedergeschriebenen Erinnerungen eben real waren.

      Worauf ich in meinem Text nicht eingegangen bin ist die Fähigkeit, Fiktion real erscheinen zu lassen. Denn offensichtlich ist es nicht möglich, während eines Autounfalles darüber zu schreiben. Es existieren jedoch Menschen, die in der Lage sind, mir diese oder ähnliche Situationen glaubhaft zu machen.

      ‚Glaubhaft machen‘ ist in diesem Zusammenhang eine gute Formulierung. Und dieses Glaubhafte (oder eben UNglaubhafte) ist in meinen Augen das, was zu einem guten Teil zur persönlichen Entscheidungsfindung bezüglich guter, mittelmäßiger oder eben schlechter Literatur beiträgt.

      Zu deinem letzten Satz: Wer stellt denn solch eine Frage? Wieso sollte das niedergeschriebene Wort den Genuss an einer Sache schmälern? Im Gegenteil ist es doch so, dass das nochmalige Beschäftigen mit Erlebtem die Empfindung stärkt.

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      1. Derjenige wollte wohl eher darauf hinaus, dass ich wohl währenddessen nur damit beschäftigt bin, mir zu überlegen, wie ich das hinterher aufschreiben könnte. Was nicht stimmt, ich habe mich immer schon in Situationen dauernd selbstreflektiert.. Das kann ich gar nicht abstellen.. Und eben weil ich so bin.. schreibe ich es dann halt auch auf..

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        1. Ich finde, man merkt deinen Einträgen eindeutig an, dass du dich während deiner Erlebnisse NICHT mit der späteren Niederschrift beschäftigst.

          Mit einer direkten Reflexion des Erlebnisses hingegen … durchaus. Das kann ich als Außenstehender jedoch nicht beurteilen.

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