Short|Cut

Nein, nein. Das passt mir nicht, ganz und gar nicht, jammert Mareike.

Mach’ es weg!

Kein Problem, sagt Julian, schneidet ihr mit schwungvoller Bewegung den Brustkorb auf und entfernt das Herz mit couragiertem Griff. Er betrachtet es kurz, versonnen, fühlt das ersterbende Pulsieren und lässt es mit einem lauten Platsch vor Mareikes Füße fallen.

Und?

War es das, was du wolltest?

Ja, schon …

Irgendwie.

So richtig fort ist es allerdings nicht. Und ich hätte nicht gedacht, dass das so eine riesige Sauerei gibt. Was mache ich denn jetzt damit? Hier liegenbleiben kann es auf gar keinen Fall! Was sollen nur die Gäste denken?

Nimm es und hack’ es klein. Verarbeite es zu Ragout, schlägt Julian vor. Jubel es unter. Das merkt doch keiner.

Ach, weißt du … wenn ich wollte, wie ich könnte … murmelt Mareike und überlegt kurz, ob sie ihren Geist ebenfalls aufgeben soll.

Herz und Hirn ergäben ein gar köstlich Mahl.

19 Gedanken zu „Short|Cut

  1. Die Seele. Das wäre doch das Salz in der Suppe. Erwähnte ich mal, welch köstliches Mahl ich einst genoss? Es waren Bratkartoffeln, scharf angebraten und mit ordentlich Pfeffer. Und arg heiß, ich verletzte mir den Gaumen. Zurück blieb ein Mal, das mich stets daran erinnert, beim nächsten mal etwas besser aufzupassen. Verrückt, oder?

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    1. Dazu fiel mir ein: ‚Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.‘ … obwohl das gar nicht passt. ;)

      Hmm … die Doppeldeutigkeit ist zu doppeldeutig, oder? Aber ‚Ma(h)l‘ fand ich zu platt irgendwie. Sollte ich es eventuell doch ändern in ‚Mahl‘?

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          1. Es ist immer der Name, der als erster im Kopfe klingt.

            So simpel, manchmal.

            Tatsächlich habe ich weder positive noch negative Empfindungen ihm gegenüber.

            Ich schließe daraus, dass du ‚Julian‘ nicht grundlegend ablehnst?

            Und just in diesem Moment erkenne ich meine Gedankengänge … die Namen sollten ‚unschuldig‘ erscheinen. Nach Katholischer Jugend klingen.

            Du solltest deine Kinder übrigens auch mal beim Namen nennen. Schwieriger als man denkt! ;)

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          2. Ich habe nicht gesagt, dass ich keine Namen im Kopf habe. Dennoch eliminiere ich sie dann in den Texten. Absichtlich. Um den Leser eben nicht versehentlich irgendwo hin zuschubsen, ihm mehr Raum zu geben. Julian oder Julia?…

            Mareike klingt für mich nicht unschuldig. Höchstens wie eine Kuh, die unschuldig auf der Weide grast…

            *hust* *röchel* Ist das deine Art der Informationsgewinnung? Mir das böse K-Wort um die Ohren zu schlagen? Ich mag diese K’s nur kleingeschnitten, gestückelt oder in Scheiben… Oder was meinst du mit meinen K’s? Meine Texte? Die bezeichne ich maximal als meine Babies, aber meistens doch eher als Blut von meinem Blut. Oder meine dunkle Brut. Oder… oder… oder…

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          3. Sie und Ihren ist falsch. Das ist doch keine Ansprache an sie, sondern sie spricht mit sich selbst, über sich, oder? Meine Meinung. Aber vielleicht, weiß ein Lektor das besser zur Not. Naja, Wünsche dürfen geäußert werden. Mit dem Korrigieren ist das so ein Sache. Ich persönlich will das auch direkt und konkret, aber ich maße es mir bei anderen nicht an, wenn ich nicht weiß, ob das gewünscht ist. Daher lieber die indirekte Korrektur, mit Augenzwinkern (und Mördercharme wie ich finde), die außerdem den Vorteil hat, dass der Autor es sich selbst erarbeitet, weiter nachdenkt und der Lerneffekt durchaus höher ist. Es gibt da so welche, die korrigieren was man ihnen sagt, ohne drüber nachzudenken… So habe ich dich nicht eingeschätzt, du wurdest nur Opfer meiner Ich-will-den-Leuten-nicht-alles-vor-den-Arsch-tragen-Mentalität.

            Ich habe beide Fehler übrigens auch erst beim zweiten Lesen entdeckt. Wenn du willst, dass ich dich from now on korrigiere, sags einfach. If you want blood you got it.

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          4. Du willst, dass ich meine Geheimnisse preisgebe… aber die gibt es doch gar nicht. Und meine Schuhe würden dir doch ohnehin nicht passen, oder? Der Takt , die Frequenz… DU bist der Kapellmeister… Beim Sex/Liebe machen/ Bla wirst du doch auch wissen, wie du… und… wenn… dann… usw… usf…

            Ich tue 24/7 fast nichts anderes als in mich hineinzuhören oder mich in der Welt umzuschauen. Es gibt so viele Zwangskontakte, die ich tagtäglich verarbeiten muss und um das zu können, habe ich mir eine zusätzliche Tüe Egoismus gekauft. Ich schreibe, wenn ich schreiben muss. Abwasch geht auch morgen noch. Schlafen kann ich, wenn ich fertig bin. Niemand stirbt, wenn ich morgen müde bin. Aber vielleicht ein bisschen von mir, wenn ich nicht tue, wonach mein Innerstes schreit.

            Da gibt es soviel zu entdecken und zu enttarnen, dass duldet einfach keinen Aufschub (mehr). Mein Output ist deshalb so hoch, weil ich den Input viele Jahre lang nur angesammelt, aber nicht verarbeitet habe. Nenne es Selbsttherapie und du kommst der Sache recht nahe. Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich das wohl nicht sooo schlecht mache und es so etwas wie eine Berufung zu sein scheint. Und dieser gebe ich einfach Raum.

            Und? Machste mit? Follow me ;-)

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          5. Hmm … Grundlegend mache ich das auch. Gedanken immer möglichst direkt zu ‚Papier‘ bringen. Jedoch, selten sind das mehr als Fragmente. Die Kunst, daraus lesbaren Text zu machen … dass ist die Hürde, die ich immer nur schleppend nehme.

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          6. Zum einen entwickeln sich zuweilen aus Fragmenten keine ergiebigen Ideen. Ganz banal.

            Dann ist es meist so, dass ich nicht nach ‚Skript‘ vorgehe, sondern mich durchs Dunkel vorantaste. Umwege gehe. In Sackgassen lande. Das ist zwar mitunter spannend, in jedem Fall aber sehr zäh.

            Dann gibt es da noch die Gespinste, die ‚abkühlen‘ und in ihrer Intensität verblassen wie Träume. Und die Tatsache, dass mir Form und Stil meist wichtiger sind als Inhalt.

            Alles zusammen sorgt für eine unglaublich langsame Schreibgeschwindigkeit. ;)

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