10.080

Sie. Er.

Experiment, Expedition, Reise. Zusammen mit Madame Lila.

Los geht’s – Fortsetzung folgt.

 

Einstieg

Eine Woche.

Wenn ich darüber nachdenke … denke ich seit mehreren Monaten über nichts anderes mehr nach. Eine Woche – Ausgeliefertsein. Ding sein.

Konventionen fallenlassen. Loslassen. Hingabe, total.

An Sie, für Sie.

 

Tag 1 – Nachricht

Ein Ferienhaus sollte ich buchen, in ruhiger Lage. Viel mehr wusste ich nicht bis zu dem Moment, als Sie mir per Kurznachricht Anweisungen bezüglich meines Gepäcks sowie dem Ort der Abholung zukommen lässt.

Die Nachricht endet mit ‚Anziehen: Den großen Ballstretcher. Strapse. Legere Hose. KEIN Slip!‘

Der knappe Befehlston verfehlt seine Wirkung auch diesmal nicht. Sofort denke ich über die kommenden sieben Tage nach, steigere mich in Fantasien von Demut, Unterwerfung und Qual.

Während ich meine Tasche packe, bin ich unkonzentriert.

Während ich mich wasche, empfinde ich Sorge – habe ich etwas vergessen von dem, was mitzubringen Sie mir aufgetragen hat?

Nachdem ich mein Gepäck nochmals überprüft habe, während ich die von Ihr geforderten Gegenstände anziehe – bin ich erregt.

Unsere Beziehung ist gekennzeichnet von Vertrautheit. Einer ganz besonderen Art der Intimität. Sie weiß genau, welche Saiten sie bei mir anschlagen muss, um mich in den Zwiespalt zwischen Vorfreude und Furcht zu versetzen.

Die Analogie beschreibt es ganz gut: Ich bin das Instrument, das Sie 168 Stunden lang spielen wird.

 

Tag 1 – Bus Stop

Treffpunkt ist eine Bushaltestelle, ungefähr 15 Gehminuten von meiner Wohnung entfernt. Auf dem Weg dorthin merke ich, dass Ihre Entscheidungen auch dieses Mal nichts dem Zufall überlassen – der Ballstretcher dehnt meinen Hodensack und die locker sitzende Hose gewährt ihm genügend Freiraum, sich dem Rhythmus meiner Bewegungen anzupassen. Das Gefühl der Strümpfe auf meiner Haut verstärkt die Empfindungen: Ich diene Ihr schon jetzt, vor dem eigentlichen Aufeinandertreffen. Ich geniere mich als mir bewusst wird, dass meine Erektion jedem, der mir in den Schritt schaut, auffallen muss. Es berauscht mich als ich darüber nachdenke, dass meine Erektion jedem, der mir in den Schritt schaut, auffallen muss …

An der Haltestelle angekommen stelle ich meine Tasche ab und warte. Als der vereinbarte Zeitpunkt näherrückt, werde ich unruhig. Nachdem er um 5 Minuten überschritten ist – ängstlich. Habe ich Ihre Nachricht falsch verstanden? Mich im Ort geirrt?

Nervös ziehe ich mein Telefon aus der Tasche und lese Ihre Anweisungen erneut. Nein, ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Dass Sie unpünktlich ist, ist … ungewöhnlich. Eine weitere Nachricht hat Sie mir nicht geschickt.

Weitere 5 Minuten später überlege ich, ob ich Sie kontaktieren soll – verwerfe diesen Gedanken allerdings sofort wieder. Mehrmals hat Sie mir unmissverständlich klargemacht, dass ich mich unter keinen Umständen bei Ihr melden darf.

Just in diesem Moment summt mein Telefon. Sie ist es!

‚Zieh‘ Deine Heels an und laufe vor der Bushaltestelle auf und ab…. Nicht schummeln, ich seh‘ Dich‘

Fuck! Die Schuhe? Hier?

Unsicher schaue ich mich um. Eine älterer Herr und ein gelangweilt dreinblickender, Kaugummi-kauender Teenager sitzen auf der Bank der Haltestelle hinter mir. Die Straße selbst ist, der Tageszeit entsprechend, stark befahren. Fußgänger passieren den Treffpunkt.

Im Bruchteil einer Sekunde wäge ich die Situation ab und kalkuliere mögliche Konsequenzen. In meinem Kopf mischt sich Scham mit Erregung, gefolgt von der Erkenntnis: Schon diese zweite Aufforderung zu missachten, so früh zu versagen … ist keine wirkliche Option.

Schnell beuge ich mich zu meiner Tasche hinab und packe meine roten High Heels aus. Tatsächlich liebe ich es, diese Schuhe für Sie zu tragen. In der Öffentlichkeit allerdings … Ich ziehe meine Sportschuhe aus und schlüpfe in die hohen Pumps. Als ich mich aufrichte, bemerke ich aus den Augenwinkeln, wie das Teenie-Mädchen ihre Kaubewegung stoppt, ein Telefon in die Hand nimmt und anfängt, Fotos von mir zu machen.

Ich verdränge den Gedanken an die Tatsache, mich in Kürze als Internet-Kuriosum bewundern zu können und beginne, am Straßenrand entlang zu laufen. Etwas wackelig zunächst, dann, als sich meine Beine an die Absatzhöhe erinnern, zunehmend sicherer. Ich konzentriere mich auf die Bewegung, meine Hüften, die gesamte Körperhaltung – genieße das Gefühl und schließlich auch die Situation.

Als mein Blick erneut auf den Teenager fällt, grinst sie mich an und zwinkert mir zu. Ich schaue auf ihre Schuhe – Chucks – und zwinkere zurück.

Im gleichen Moment hält ein Auto neben mir. Noch bevor ich mich umdrehen kann, befiehlt Sie mir in strengem Ton

„Steig‘ ein!“

Ich lege meine Tasche in den Kofferraum und nehme auf der Beifahrerseite Platz. Ein lustvolles Ziehen durchfährt meinen Körper, als ich Sie sehe: Kühle Eleganz im knielangen Trenchcoat. Mein Herzschlag stolpert beim Anblick Ihrer Beine, ebenfalls bestrumpft, ebenfalls in hohen Schuhen.

Ich schwitze, meine Hände werden feucht. Mein Schwanz pulsiert an der Innenseite meiner Hose.

Eine dezente Kopfbewegung gestattet mir, Sie auf Ihre Wange zu küssen. Ich nutze diese Gelegenheit, atme Ihren Geruch ein – und spüre, dass sie ebenfalls erregt ist.

Sie weist mich auf eine kleines Päckchen auf dem Armaturenbrett hin.

„Kleiner? Da vorne liegt etwas für Dich… Ich möchte, dass Du das anlegst.“

Als ich die Schachtel öffne, den Inhalt und dessen Bedeutung erkenne … finde ich mich ein im Moment und vergehe in der Vorfreude auf die kommende Woche.

9 Gedanken zu „10.080

  1. Pingback: 9.670 | Lila Sumpf

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