Gerne, aber

Ich schreibe gerne. Wirklich. Und immer, wenn ich einen guten Text lese, bekomme ich neuerlich Lust dazu.

Dann fällt mir auf, dass ich meist doch nur das will, was ich nicht kann: Doppeldeutig, intelligent … einfach gut klingen. Interessant sein.

Der Punkt ist der: Mein Verlangen, literarische Qualität zu erzeugen, ist nichts weiter als Stochern im Trüben. Zwischen Kramen in eigenen Erinnerungen und schlechtem Plagiarismus gelingt es mir nur schwerlich, Nadeln und Körner zu finden.

Da draussen gibt es Menschen, die unter diesen Voraussetzungen Neues, Einzigartiges gar, erschaffen. Bei mir sind diese Momente licht – oder sie fehlen gänzlich.

Das klingt weinerlich. Soll es aber nicht.

Ich erkenne einfach, dass man manche Fakten akzeptieren muss. Das erleichtert Leben ungemein; denn ist man bezüglich entsprechender Umstände erst einmal mit sich im Reinen, funktioniert die Fokussierung auf andere Bereiche besser.

Die Gefahr, die dieses Verhalten in sich birgt ist natürlich, dass die Flinte möglicherweise zu schnell ins Korn geworfen wird. Glücklicherweise stachelt das eigene Ego in gleichem Maße an, wie es Selbstzweifel schürt. Deshalb scheint es wohl so, als würde ich weiter vor mich hintippen, im Schneckentempo, die eigenen Gedanken unzählige Male revidierend, streichend, ergänzend beim Versuch, sie in Sätze zu pressen.

Sätze wie diese.

 

25 Gedanken zu „Gerne, aber

  1. Hmmmm … Es klingt in der Tat weinerlich… und kornflintenwerferig. :-)

    Ich denke, das Fazit kann auch nicht sein, dass man sowas nicht kann – sondern dass andere es vielleicht besser können. Dann muss man aber auch fair sein und hinterfragen, wieviel Zeit und Energie diese Anderen darauf verwendet haben (über das Leben betrachtet) und dann muss man hinterfragen, wieviel Zeit und Energie man selbst darauf verwendet.

    Beispielt aus der Praxis? Ich könnte viel besser Magic spielen und mittlerweile auch blau beherrschen und aus dem FF alle Karten auswendig aufsagen. Könnte ich. Dafür müsste ich aber sehr viel mehr an Zeit und Energie investieren, als ich es momentan willens bin. :-)
    Ich jammere oft darüber nicht besser zu werden und wenn ich mir das in kurzen Zeitabschnitten anschaue, dann stimmt das auch – aber wenn ich mir die langfristige Entwicklung anschaue – dann bin ich gar nicht sooo übel. Ich könnte besser sein – aber auch schlechter.

    SO! Deine Texte und Dein Willen zu schreiben? Du könntest besser sein (das „schlecht sein“ empfindest ja nur Du so… kein anderer schreibt unter Deine Texte „BOAAAR ECHT SCHEISSE!“) – könnte aber auch schlechter sein.

    Fakt ist, dass Du nicht wirklich viel Zeit hast und Energie investierst (sagst Du selbst!) und Fakt ist auch, dass Du selten mit Deinen fertigen Produkten (Schrift oder Bild) zufrieden bist.

    Unter diesen Aspekten müsstest Du den Text vielleicht nochmal überdenken…? Denn dann ist die Gedankenschlange meines Erachtens falsch aufgewickelt…. :-)

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  2. Ja, genau das ist das Fazit: Das andere es besser können. Und, dass ich mich besser auf die Dinge konzentrieren sollte, die ich besser kann.

    Ich weiß schon, dass meine Schreibereien ‚lesbar‘ sind. Ich produziere in der gleichen Zeit aber ungleich mehr Kritzeleien. Und möglicherweise wäre es sinnvoller, deshalb das eine sein zu lassen und mehr in das andere zu investieren.

    Dann ist es allerdings auch so, wie ich am Ende schrieb: Sein lassen werd‘ ich es eh nicht können. Zwickmühle …

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    1. Das Ding ist aber doch, dass das nur Deine eigenen Ansprüche sind. Du könntest eben auch Deine Ansprüche ändern.
      Also nicht: Es muss zweideutig und witzig und tiefsinnig und intellektuell und so gut wie derundder sein sondern „schreiben macht mir Spaß“ oder „Schreiben entlastet meinen Kopf“ …
      Es geht in dem Fall um Deinen Blickwinkel und nicht um Dein Können.
      Denn: vielleicht finde ICH ja zB dass Du megalomanischgigantisch gut schreibst … Das ändert dann immer noch nicht Deine Sicht auf Deine Kreationen … :-)

      Fazit: Außer Dir gibt es hier keinen Kritiker und Du kannst Dich ja einfach mal entspannen und nicht so unter Druck setzen … Schreib‘ doch einfach … wenn und wann Du Lust hast …. Mal‘ doch einfach wenn und wann Du Lust hast …

      Einfach nur so für Dich… Damit DU Spaß hast oder einen anderen Dir wertigen Nutzen ;-)

      Weißte? :-)

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      1. Hmm. Jetzt ist es aber so (und das ist eben die Zwickmühle), dass mir genau dieser Perfektionismus Spaß macht – obwohl er mich ins Unendliche verlangsamt.

        ‚Hingerotzte‘ Texte, die machen mir eben keinen Spaß.

        Die Crux an der Sache ist die, dass mir sehr bewusst ist dass ich – wenn ich mehr Energie investieren würde – irgendwann an den Punkt käme, dass hingerotzt = meinen Qualitätsansprüchen genügend wäre.

        Die Frage ist eben: Soll ich diese Energie investieren? Denn, rational oder ‚vernünftig‘ wäre eigentlich, die Energie lieber dort zu investieren, wo ich wahrscheinlich schneller vorankomme.

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        1. Aaaaha!

          „Schneller vorankommen“ …. weil? Wohin willst Du? Zu mehr Bekanntheit? Mehr Fans? Einem Buchvertrag? Verkaufen Deiner Kunst? Oder mehr Zufriedenheit? Innerer Ruhe? Stolz auf Deine Leistung? :-)

          Solange Du nicht weisst, was Du eigentlich davon „möchtest“ bzw. brauchst, wird es Dir immer schwerfallen ein Ziel zu erreichen – denn dann hast Du keins…

          Daher investierst Du eben weder Zeit noch Energie – weder in das eine noch das andere – denn am Ende des Tages fehlt Dir die Antwort auf die Frage nach dem „WARUM“ oder dem „WOFÜR“ …

          Meines Erachtens nach, solltest Du das erstmal beantworten – dann erkennst Du vielleicht von ganz alleine, wohin Dich der Weg führt.

          Man könnte nämlich auch hier genau andersrum argumentieren und Dich fragen, warum Du Zeit in etwas investieren solltest, was Du eh‘ schon beherrschst – wo es Dir leicht fällt mit wenig Aufwand besser zu werden, neue Twists anzueignen etc.pp. – wäre es nicht sinniger, Zeit und Energie in etwas zu stecken, was Du noch nicht kannst (Deiner Meinung nach) und rausfinden, ob Du da dann – für Dich – weiterkommst.

          Denn nochmal: Das Weiterkommen und das Besser-Werden sind subjektiv… nur Du kannst für Dich rausfinden, was das Ziel für Dich dabei sein soll… :-)

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          1. Das ist mir alles zu tiefsinnig ;)

            Ich schreibe und zeichne/male gerne.

            In beidem möchte ich mich verbessern.

            Ich erkenne, dass mir dies (das Verbessern) im Bereich Bild leichter fällt als im Bereich Schreiben.

            Die Frage, die ich mir stelle, ist: Gehe ich den beschwerlichen Weg des Besserschreibens (und beschäftige mich viel weniger mit dem Besserzeichnen/malen, weil die zur Verfügung stehende Zeit begrenzt ist), oder versuche ich, meine Zeit effizienter zu nutzen, weil ich wahrscheinlich schneller besser zeichnen/malen kann.

            Das alles garniert mit ‚Egal wie ich mich entscheide, in der Realität kann ich es trotzdem nicht sein lassen‘. ;)

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          2. Und das ‚Ziel‘ (der Weg ist das Ziel, ne!?) ist tatsächlich, mit mir selbst zufrieden zu sein. Das ist schwer, da hast du recht. Manchmal gelingt es mir. Ich möchte, dass es mir öfter gelingt.

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          3. Auch wenn Dir diese Antwort wieder zu tiefsinnig ist:
            Diese Zufriedenheit erlangst Du „nicht einfach so“ … Auch die bedarf „Arbeit“… :-)

            Aber das ist doch schon ein ZIel – zufriedener sein.

            Dich ein bisschen kennend glaube ich allerdings, dass das sooooo nicht in Deiner DNA verankert ist ;-)

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  3. Ganz pragmatisch kann ich dir das Buch „Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben“ von R.P.Clark empfehlen. Ich blättere sehr gern in diesem Buch und bekomme kleine Anregungen was ich das nächste Mal ausprobieren kann….

    Ich glaube, jeder der schreibt hat auch diese Tiefphasen. In diesem Sinne: Kopf hoch und weiterschreiben! :-)

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  4. Danke für deine Verlinkung ;) Mal abgesehen von den Menschen, denen die Gabe des Schreibens in die Wiege gelegt wurde, hilft nur eins: Schreiben! Schreiben! Schreiben! Und auch: Lesen!

    Weiter: was ist ein guter Text? Und weiter:
    Bin ich ein guter Schreiber, wenn einer von 10 Texten ‚richtig gut‘ ist? Was ist mit dem ganzen Schrott, den der Schreiber nebenbei produziert?

    Btw. sieht man dem Text nicht an, wie/ob arbeitsintensiv er gewesen ist, wieviel Blut, Schweiß und Tränen in ihm stecken.

    Ist es wirklich ein Segen so schreiben zu können, wie du es als ‚gut‘ empfindest? Was ist, wenn der Autor sich nicht anders auszudrücken weiß, als über Doppedeutigkeiten? Was ist, wenn er zu feige ist, die Dinge beim Namen zu nennen? Was ist, wenn es das Leichte ist, was ihm so unendlich schwer fällt? Zu leben und zu schreiben? Das Schreiben ist vielleicht auch nicht mehr als ein Arschloch, mal ein großes, mal ein kleines.

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    1. Als ich den ‚Mag ich‘-Knopf drückte wusste ich, dass es ein Fehler ist dies zu tun wenn ich nicht direkt antworten kann … und zack, vergessen (zu antworten).

      Jetzt ist’s mir wieder eingefallen, das antworten.

      Das mache ich jetzt einmal, von oben nach unten:

      1. Das Üben. Das ist offensichtlich erforderlich, zumal ich ja ein bekennender Verfechter von ‚angeborenes Talent gibt es nicht‘ bin: https://knowyourgods.wordpress.com/2015/02/10/wall-of-shame/

      2. Der gute Text. Das ist natürlich immer subjektives Empfinden. Ich kann allerdings recht sicher sagen, was ich als gut empfinde. Das ist dann letztendlich der wichtigste Maßstab auch für eigene Werke.

      3. Der gute Schreiber. Ich denke, schon. Zum einen erzeugen selbst Genies Abfall – wahrscheinlich sogar ungleich mehr, als Menschen, die sich nicht so sehr bemühen. Und wenn jeder zehnte Anlauf ein Treffer ist, ist das eine gute Quote.

      4. Die Offenkundigkeit der Mühsal. Findest du? Hmm … ich glaube schon erkennen zu können, wieviel Aufwand ein Schreiber mit seinem Text betrieben hat. Was – und das ist wichtig – allerdings nichts damit zu tun hat, ob das Ergebnis gut ist (also von Lesern als lesenswert empfunden wird).

      5. Der Segen. Ich habe mich in meiner Ausführung nicht sonderlich ausführlich geäußert. Ein Text ist für mich nicht nur dann gut, wenn er gewitzt doppeldeutig ist. Doppeldeutigkeit und Intelligenz sind die beiden Beschreibungen, die ich stellvertretend für ‚einfach gute‘ Texte genannt habe (natürlich kann man darüber nachdenken, warum es gerade diese beiden Beschreibungen sind … das wäre dann aber auch ein neues Gedankenspiel).

      Ich mag auch geradlinige, brutale, direkte, ruhige, besinnliche, zarte, verführerische, suspekte, irrationale, psychedelische Texte – dass einer dieser Stile zur inhaltlichen Aussage passt (oder ihr gekonnt zuwider läuft) kann ihn ebenfalls zu einem guten Text machen. Das hat dann wieder viel mit der eigenen Definition von ‚Gut‘ zu tun, mit persönlichem Geschmack.

      Natürlich kann ein Korsett, so man es nicht abstreifen kann, beengen. Sprich: Wenn mir außer Doppeldeutigkeiten nichts gelingt kann es sein, dass mich diese restriktiven Fähigkeiten eher belasten als beflügeln.

      Wenn ich nicht dazu in der Lage bin, ein Ding bei seinem schlichten und ergreifenden Namen zu nennen, kann mich das frustrieren.

      Da bin ich ganz bei dir. Mir erscheint dies sogar als der Normalzustand!? Wenn wir bei der Schriftstellerei bleiben: Es leben recht wenige Literaten, die in der Lage sind, einen Fantasy-Roman auf gleichem Niveau zu verfassen wie einen Krimi, eine geschichtliche Dokumentation etc. Dazu braucht es dann schon ein Universalgenie, und die sind wirklich rar (gibt es heutzutage eigentlich noch Universalgenies laut Definition? Kann es die überhaupt noch geben? NOCH ein Gedankenspiel …)

      Gefällt 1 Person

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