Erinnerung, zementiert

Ich sehe eine Serie, österreichische Produktion. Mehrere Männer unterhalten sich über Echt Kölnisch Wasser. Einer der Beteiligten sagt, dass Menschen, die dieses Duftwasser benutzen, Proleten sind. Die Männer lachen.

Ich bin 11 Jahre alt und zu Besuch bei meinen Großeltern. Es ist Sonntagmorgen, mein Opa macht sich bereit für den Kirchgang. Nachdem er sein Gesicht nass rasiert und gewaschen hat, schlüpft er in die Bundfaltenhose seines besten Anzugs, sorgsam bedacht, sie nicht zu zerknittern. Bevor er sein Hemd überstreift, sich die Krawatte bindet, reibt er Wangen und Unterarme mit Echt Kölnisch Wasser ein.

Ich sitze auf dem Rand der Badewanne und betrachte ihn mit offenem Mund, eingenommen von der ruhevollen Routine seiner Morgentoilette. Der Geruch des Parfüms steigt in meine Nase und verknüpft sich in meinen Gedanken untrennbar mit der Person meines Großvaters; ein Grandseigneur, sein ganzes Leben lang.

Ich schalte den Apparat aus. Die Serie schaue ich danach nie wieder.

Plant

Ein Gedanke zu „Erinnerung, zementiert

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s