rbtn

Und es ist wieder ein Monat rum und wir haben Besprechung und alle sind versammelt und irgendwann bin ich an der Reihe und mache wahr, was in Gedanken schon dutzendfach durchgespielt wurde und ich stehe auf, hüpfe auf den großen Konferenztisch, stoße mich davon ab und packe im Sprung mit beiden Händen einen der hölzernen Querträger und fange an zu schwingen, vor zurück, vor zurück und eröffne meinen Vortrag erst, als ich eine ordentliche Schaukelbewegung vollführe, beginne dann, während des Aufsagens (fleißiges Bienchen auswendig gelernt hat), des Wiederkäuens von bereits Verkündetem, meine Kollegen zu betrachten und erkenne in den meisten Gesichtern Entsetzen, Abscheu, gemischt mit Unverständnis und Überforderung und das spornt mich an; ich schwinge stärker aus, bereite meinen Abgang vor und als mein Vortrag endet und meine Füße fast einen der angrenzenden Träger berühren öffne ich meine Hände und beschreibe einen Salto, Landung alles andere als perfekt, ca. einen Meter vom Tisch entfernt; zum Glück ist der Boden mit weichem, anthrazitfarbenem Teppich ausgelegt und federt meinen Aufschlag soweit, dass ich in der Lage bin, den Rest des Tages weiter zu arbeiten

wie gehabt.

In der Büroküche angekommen fällt mein Blick auf mitgebrachten Kuchen. ‚Über vom Kollegen, hatte Geburtstag‘ die Aussage. Mache mir Gedanken ob der Tatsache, dass besagter Kollege seine Mitarbeiter mit Resten füttert wie ein Bauer seine Schweine mit Küchenabfällen. ‚Damit’s nicht schlecht wird, sonst müsste ich das wegwerfen‘. Machts Gefühl nicht besser, macht die Gedanken nicht besser.

Laufe dem Kollegen über den Weg, der krank war, 4 Wochen lang, psychisch krank. Freundin wollte Kind, er wollte Kind – oder eben doch nicht, Überforderung; ich bin nicht gut genug für dich, mein Schatz.

Meine Liebe.

Adieu.

Schaue dem Kollegen ins Gesicht, empfinde

nichts.

Kann nicht mitfühlen, mich nicht hineindenken in ihn, seine Umstände, die Situation. Bin zu beschäftigt mit meinem Leben; kein Platz für ein anderes Leben.

Möglicherweise verfüttere ich an meinem Geburtstag auch Abfall.

Möglicherweise mache ich mir zuviele Gedanken.

Morgen ist Wochenende.

Wie gehabt.

Kopfexplosion

9 Gedanken zu „rbtn

  1. Ist nach dem Bild noch eine versteckte Nachricht? :-)

    Also ganz ehrlich? Ich fand heute Abend war fast nichts „wie gehabt“ und Deine Reste will ich auch nicht verfüttert bekommen, ich will frisches Bier … Aber das Schaukeln und Schwingen, das muntert mich extrem auf ;-)

    Gefällt mir

  2. Großartiger TExt, so schwungvoll !! Über die lieben Kollegen gibt es auch immer viel zu sagen. Ist ja auch eine seltsame Art von Beziehung, die man zu seinen Arbeitskollegen hat, man sieht sie öfter als seine Freunde und weiß doch meistens wenig von ihnen. Die Variante, dass man mit allen Kollegen befreundet sein muss, würde ich aber gaaaaanz furchtbar finden :)

    Gefällt 1 Person

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s