prkrstntn

Prokrastination. Ich kannte den Begriff nicht, bis ich vor kurzem durch Zufall in einem Artikel darüber stolperte.

Was Wikipedia sagt:

Aufschieben, auch Prokrastination (lateinisch procrastinatio „Aufschub, Vertagung“; abgeleitet über procrastinare „auf-/verschieben, vertagen“ von pro „vor“ und crastinus „morgig“), Erledigungsblockade, Aufschiebeverhalten, Erregungsaufschiebung, Handlungsaufschub oder Bummelei (im Volksmund auch Aufschieberei oder Aufschieberitis), ist das Verhalten, als notwendig, aber unangenehm empfundene Arbeiten immer wieder zu verschieben, anstatt sie zu erledigen. Aufschieben gilt als schlechte Arbeitsgewohnheit. Drei Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Verhalten als Prokrastination eingestuft werden kann: Kontraproduktivität, mangelnde Notwendigkeit und Verzögerung.

Ich war tatsächlich erschüttert, als ich die Bedeutung dieser Erklärung verinnerlichte. Genau das ist es, was seit ungefähr einem Jahr mein (Nicht)Handeln prägt. Was in mir ein Gefühl der Unruhe und des Gehetztseins erzeugt, meine generelle Unzufriedenheit mehrt.

Betrachte ich die vergangenen Monate, scheint der Unfall im Januar Auslöser dieses Verhaltens zu sein. Mein Ausfall im Büro, verursacht durch die knapp zweimonatige Zwangspause im Zuge meiner Rekonvaleszenz, sorgte bei meiner Rückkehr in den Alltag dafür, dass sich im wahrsten Wortsinne Arbeitsberge vor mir türmten. Die Vielzahl dieser Aufgaben, die augenscheinliche Erledigungsdringlichkeit der meisten Arbeiten sowie die Tatsache, dass ich nach wie vor physisch nur eingeschränkt handlungsfähig war, lähmten mein Handeln massiv.

In dieser Zeit wurde häufig entschuldigt, oft verdrängt. Realitätsflucht ob der Überforderung war der neue Standard. Die Situation besserte sich dadurch natürlich nicht.

Aufschieben. Auftürmen. Ein Teufelskreis.

Immer wieder treibe ich ab, gedanklich, ins Private. Greife dabei nach Belanglosigkeiten, wie ein Ertrinkender nach einem Rettungsring. Alles ist besser als die zu erledigenden Aufgaben. Das nervenaufreibende daran: Der Vorgang geht unterbewusst von statten und gleicht einem Tick, einer Marotte; etwas, das man ausführt ohne es zu merken – während man es ausführt.

Danach fühle ich mich lethargisch, im Körper breitet sich ein Gefühl von Taubheit aus.

Ich bin abgestumpft und müde. Immer müde.

Diesem Verhalten entgegen zu steuern fällt schwer und erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Aufmerksamkeit – Charaktereigenschaften, die ebenfalls Kraft kosten.

Himmel, sogar diesen Eintrag schiebe ich auf. Zwischen dem Tippen der ersten Zeile und dem Verfassen dieses letzten Absatzes liegen mehr als zwei Wochen.

Vierzehn Tage Prokrastination.

prkrstntn

11 Gedanken zu „prkrstntn

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Wenn das mit dem Lustigmachen mal so einfach wäre… da geht es ja irgendwann um Bewertung, Leistungsfähigkeit und -druck, in Fortführung um Existenz(ängste).

      Letzten Endes sollte man aber immer ein Lächeln auf den Lippen haben.

      Liebe Grüße

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  1. Ich hab gerade „gefällt mir“ angeklickt, gefällt mir wie du schreibst, ehrlich und gerade hinaus und mutig. Aber das was du beschreibst gefällt mir nicht, weil ich es zu gut kenne. Gerade schiebe ich mit dem Schreiben dieses Kommentars die Beantwortung eines komplizierten Schreibens hinaus. ;-) Man sollte nicht bloggen, wenn man zur Prokrastination neigt (klingt wie „verkrustet“ das Wort.

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    1. Vielen Dank!

      Ich vermute, dass besagtes prokrastinieren weiter verbreitet ist, als man annehmen mag.

      Wenn ich mich reflektiere, dann ist beschriebener Leistungsdruck ein entscheidender Faktor. Und dieser (Leistungsdruck) soll ja des Öfteren das moderne Arbeitsleben bestimmen.

      Liebe Grüße

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  2. *lufthol*
    Ich schreibe hier jetzt nur das Allgemeine :-)

    Die Prokrastination hat viele Ursachen, die meisten davon liegen im Ungleichgewicht, dem Level der Zufriedenheit und der Mangel von Struktur.

    Der Unfall hat meines Erachens nur insofern etwas damit zu tun, als dass er Dein wackeliges System von davor zum Einsturz gebracht hat und Du es bis heute nicht geschafft hast, es wieder aufzubauen.

    Du musst Dir ein paar Fragen stellen, deren Beantwortung eventuell unangenehme Konsequenzen haben könnten. Vielleicht musst Du Deinen Job umstrukturieren, vielleicht hast Du zu viele Aufgaben in Deinem „Schwächebereich“ und zu wenige in Deinem „Stärkebereich“. Chefs meinen einen manchmal zu fördern und fördern nur ein Gefühl von Gelähmtsein und dem Wunsch nach Aufschieben.
    Passt außerhalb Deiner Arbeit alles? Bekommst Du da alles so organisiert, wie Du das möchtest? Wenn ja: warum klappt es da und auf Arbeit klappt es nicht? Wenn nein: Gibt es Gemeinsamkeiten, warum es nicht klappt?

    Aus meinen Fortbildungen zum Zeitmanagement zum Stressabbau habe ich einige Tricks gelernt, die ich anwende, wenn mir mein Schreibtisch zu entgleiten droht.

    Ich habe z.B. jeden Tag „Lesezeit“ – meine RSS-Feeds, Geek-Zeitschriften, Blogs. Ich habe aber auch jeden Tag eine Stunde, die für Unliebsames reserviert ist. Vormittags.
    Dann ist ein Teil oder alles Doofe erledigt und der Rest des Tages ist toll.

    Außerdem hilft es mal eine Arbeitsplatzdokumentation zu machen und die auch so abzulegen, dass die Kollegen dran kommen.

    Zum Einen hilft es Dir einen Überblick über wiederkehrende Aufgaben zu bekommen und mal grob zu sehen, ob es Zuviel, Zuwenig oder genau richtig bemessen ist.
    UND Du kannst leichter vertreten werden. Oder Dir kann im Engpass schnell geholfen werden ohne, dass Du Tage- oder Stundenlang einarbeiten musst.

    Und ja, letztendlich musst Du Dich fragen, wo der Mangel herkommt – denn, es ist ein Mangel.

    Mangel an Freude, Mangel an Disziplin, Mangel an Zeit, Mangel an Anerkennung, Mangel an Teamgefühl und -Arbeit ….

    Ich kenn‘ Dich schon von vor Deinem Unfall :-)
    Du hast das damals nicht Prokrastination gennant, aber gehabt hast Du es, seit ich Dich kenne :-)
    Der Unfall hat glaube ich nur dazu geführt, dass es Dir und vielleicht einigen in Deinem Umfeld erst aufgefallen ist, weil Du es vorher gut vertuschen konntest.

    ABER fang einfach mit ein paar kleinen Veränderungen an und vergiss dabei nicht den Spaß am Leben – dazu gehört auch die Arbeit … :-)

    (jetzt doch mehr geworden, aber immer noch halbwegs allgemein *g*)

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      1. Klar :-)

        Aber manchmal (meistens) hat man von außen einen besseren, klareren Blick. Und wenn ich eines gelernt habe im letzten Jahr, dann, dass man durchaus mal den Blick von außen wagen sollte.
        Wie Du Dir aber sicher denken kannst, kann ich meine Situationsanalyse mit Beispielen und Fakten und Zitaten unterfüttern *g*

        Was mir aber auch wichtig war und das ist vllt untergegangen: Sich drüber lustig machen, ist okay, wenn es einen dann nicht belastet und man eben annehmen kann, dass man ein Aufschieber ist.
        Wenn man das nicht kann und man den Druck verspürt den (eigenen) Ansprüchen nicht mehr gerecht zu werden, sollte man was machen.
        Das geht ganz schnell in die falsche Richtung ;-)
        Und da willst Du nicht hin :-)

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  3. Hm, wenn ich das so lese kommt mir das so sehr vertraut und zugleich so fremd vor was du da beschreibst an Situation. Liegt wohl daran, das diese Ereignisse bei mir schon sehr viele viele Jahre zurück liegen.

    Das mit dem Ungleichgewicht ist eine gute Beschreibung, auch deswegen weil das Ende vom Anfang damals noch anders genannt wurde in der Gesellschaft und Medizin. Obgleich das zu benennen mir immer noch schwer fällt, da damals wie Heute die Thematik immer noch für viele negativ behaftete ist. Eingestehen das der Mensch auch Schwach ist, das wird in dieser Leistungsgesellschaft in der Viele leben nicht gerne angesprochen.

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