Partir, c’est mourir un peu

Der Morgen ist sonnig und mild, als ich mich über die Pont Charles de Gaulle auf der Rue Van Gogh vorbei am Gare de Lyon zum Place d’Aligre begebe, um in meinem Lieblings-Café zu frühstücken und dem bunten Treiben auf dem Wochenmarkt zuzusehen.

Ich nehme an einem der Tische auf dem Trottoir Platz, gebe meine Bestellung auf und beginne damit, die Händler zu beobachten. Auch heute stelle ich fest, welch große Freude mir diese fleißigen Menschen bereiten, die an den Ständen ihr Tagwerk verrichten.

Während ich meinen Kaffee trinke, stolzieren Tauben gurrend auf den Pflastersteinen umher, begierig darauf, Essensreste zu ergattern. Eine leichte Brise plustert ihre Federn auf, ein frei laufender Hund scheucht mehrere von ihnen quer über den Platz.

Ich zünde mir eine Zigarette an, bestelle einen weiteren Kaffee und widme mich dann den Neuigkeiten aus der Tageszeitung.

TextrennerAuf meinem Weg zurück entlang der Seine beobachte ich Touristenschiffe, die Interessierten aus aller Welt die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt zeigen. Mir wird klar: Kein Ort ist schöner als Paris. Mein altes Leben hinter mir zu lassen und ein neues hier zu beginnen, war die richtige Entscheidung. Eine der wenigen richtigen Entscheidungen bisher.

Das durch die Sonne hervorgerufene Glitzern auf der Wasseroberfläche lässt mich blinzeln. Ich schließe meine Augen, atme tief ein und denke zum ersten Mal an diesem Tag an Chloé.

Seit 36 Stunden gebe ich ihr nun nichts mehr zu trinken. Ich bin gespannt, ob sie schon bereit ist, auf meine Forderungen einzugehen – und muss aufpassen, es mit dem Flüssigkeitsentzug nicht zu übertreiben. Nierenversagen würde meinem Vorhaben zuwiderlaufen. Nein, ich kann es mir nicht leisten, dass Chloés Körper sich so früh selbst vergiftet.

Es gibt noch viel zu lernen.

TextrennerKurz vor der Pont d’Arcole entdecke ich einen Gewöhnlichen Löwenzahn, der am Fundament der Brücke aus dem Boden wächst.

Mein Herz rast. Es wird Frühling.

9 Gedanken zu „Partir, c’est mourir un peu

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