Selbstgraus

Schlimm. Ich habe wieder diese Gewaltfantasien. Während längerer Gespräche, mit Mitarbeitern, mit Vorgesetzten, mit Beratern, überkommen sie mich unangekündigt, überrollen mich mit der Wucht eines Güterzuges. Während die Worte meines Gegenübers auf mich einrieseln, betrachte ich die leere Wasserflasche vor mir und überlege, wie ich ihm unter Zuhilfenahme dieses Glaskörpers am leichtesten den Garaus machen könnte. Macht es Sinn, sie an der Tischkante zu zerschlagen und als Stich- bzw. Schneidwerkzeug zu nutzen oder schlage ich lieber mit viel Schwung (und intakter Flasche) auf den Schädel ein? Alternativ (bei mehreren Teilnehmern) grüble ich, in welcher Reihenfolge ich diese am effizientesten meuchle, um Zeit zu sparen und mögliche Fluchtversuche zu unterbinden (akribisch beziehe ich Faktoren wie Schrecksekunde, Schock und geistige Gesundheit meiner Opfer in diese Überlegungen mit ein; schätze Entfernungen und Kraftreserven ab).

Sämtliche vorhandenen Utensilien modernen Bürolebens werden – ohne dass ich dies bewusst entscheide – im Zuge solcher Gedankenspiele zu Mordinstrumenten umfunktioniert: Ladekabel (was wohl zuerst passiert: Atmung stoppt? Wirbel bricht? Kabel reißt?), Kugelschreiber (effektiver in Aug‘, Ohr oder Kehlkopf gerammt?), Blöcke (einrollen? Papierschnitte sind äußerst schmerzhaft!), Tastaturen (besser hochkant oder flach auf den Kopf gedroschen?).

Gott. Ich hasse lange Gespräche.

 

8 Gedanken zu „Selbstgraus

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