Kommen Sehen

Im Nachhinein kann man leichthin sagen: Das hat man ja kommen sehen, das musste doch so enden, das war doch klar.

Geboren als Kind meiner Eltern; diese beiden: Geschwüre Metastasen der 68er Hippies, quasi Halbhippies. Und ich, in logischer Konsequenz, ein Halbnichthippie. Hineingewachsen in das Zeitalter des Konsums, der Promiskuität des Verzockens. Durch Nichts von Niemandem an der Hand genommen, so sich selbst überlassen.

Heute, Lebenshalbzeit circa, ohne Karriere, mit Frau und Kindern (immerhin), ist mir klar, dass ich mit dem was ich habe klarkommen auskommen, mich damit zufriedenstellen muss. ‚Annehmen‘ wird zum Motto, zur Lebenshymne.

Das wirklich relevante, die Essenz, in knapp 4 Minuten: Colony – Joy Division

A cry for help, a hint of anaesthesia,
The sound from broken homes,
We used to always meet here.
As he lays asleep, she takes him in her arms,
Some things I have to do, but I don’t mean you harm.

A worried parent’s glance, a kiss, a last goodbye,
Hands him the bag she packed, the tears she tries to hide,
A cruel wind that blows down to our lunacy
And leaves him standing cold here in this colony.

I can’t see why all these confrontations,
I can’t see why all these dislocations,
No family life, this makes me feel uneasy,
Stood alone here in this colony.
In this colony, in this colony, in this colony, in this colony.

Dear God in his wisdom took you by the hand,
God in his wisdom made you understand.
God in his wisdom took you by the hand,
God in his wisdom made you understand.
God in his wisdom took you by the hand,
God in his wisdom made you understand.
God in his wisdom took you by the hand,
God in his wisdom made you understand.
In this colony, in this colony, in this colony, in this colony.

22 Gedanken zu „Kommen Sehen

      1. Hm, imho war Curtis weder ein Genie noch wahnsinnig. Sein an den Tag gelegtes Verhalten, die Texte usw. trugen in erster Linie der Umgebung, in der er aufwuchs, Rechnung. Und er WOLLTE größtenteils genau SO sein, wie er sich präsentiert hat, inklusive seines frühen Ablebens.

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        1. Hallo, S.!

          Ob sein Verhalten, sein Schaffen, bewusst gewollt war, wage ich zu bezweifeln. Selbstverständlich war er von seiner Umgebung – besser, seinem Umfeld, denn dieses Wort schließt Erziehung und abstraktere Faktoren wie (Pop)kultur mit ein – beeinflusst. Wer ist das nicht?

          Jedoch, und das macht in meinen Augen sein Genie aus, verstand er es wie wenige andere, diese Einflüsse umzuwandeln – in berührende Musik, in Kunst.

          Er brannte kurz, hell, und erlosch jäh.

          Ob sein Selbstmord der letzte, finale Akt einer Selbstinszenierung war … wer weiß. Dokumentierte Äußerungen seinerseits belegen, dass er früh sterben wollte – seinen Idolen nacheifernd. Sollte es so gewesen sein, sehe ich den Wahnsinn-Aspekt nur umso deutlicher bestätigt.

          Ich persönlich tendiere dennoch zum ‚No Way Out‘ – Zwischen Lethargie und Epilepsie, unter hohem Leistungs- bzw. Existenzdruck, gibt es wahrscheinlich keine ‚gute‘ Entscheidung.

          Liebe Grüße

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  1. Ich überlege wie dieser Optimismus des Wortes Lebenhalbzeit zu dem darüber geschilderten passt? Und dem danach folgenden?

    Klarkommen.
    Auskommen.
    Zufriedenstellen.
    Annehmen.

    Müssen.
    Müssen??

    Das ist eine traurige Lebenshymne. Wirkt auf mich fast/eher wie ein Todesmarsch.

    Klarkommen.
    Auskommen.
    Zufriedenstellen.
    Annehmen.

    Aufgeben.

    Und Gott…
    Gott??

    Das ist meine Erkenntnis dazu:

    „… Let us be free of prayer & shrine…

    God’s face is hidden, turned away.
    He never has a word to say…

    He was never on your side…

    Let right or wrong, alone decide.
    God was never on your side.“

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    1. Traurig, wohl wahr.

      Zugleich aber unvermeidbar, wenn Realismus auf Fatalismus trifft, gewürzt mit einer Prise Sarkasmus.

      Ui, jede Menge -mus-Worte. Die nur der Schreibweise nach nichts mit ‚muss‘ zu tun haben.

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  2. dasmanuel, leider kann ich dir nicht direkt auf deine antwort posten, so könnte es etwas unübersichtlich werden – sorry for that. mit dem gestern angesprochenen „umfeld“ meinte ich mitnichten seine familie/erziehung. debbie curtis schreibt in ihrem buch „touching from a distance“ , dass ian aus einem (für damalige zeiten) recht stabilen und unaufgeregten elternhaus entstammte, er jedoch schon immer der schrägling der familie war – mit hang zur ebenfalls schon angesprochenen selbstinszenierung. Das läßt viele hypothesen zu….

    ich denke, die depression – sollte es denn eine gegegen haben – wird dann in erster linie umfeldgeprägt gewesen sein (das leben in einer dreckigen, dunklen, stinkenden industriestadt ohne große zukunftsperspektive. definitely not the place to be – warst du mal dort?) – oder es war auch ein teil der selbstinszenierung. ich schwanke mit meinen überlegungen über ihn oft zwischen „kleiner überprivilegierter narziss“ (mit entsprechend hohem aufmerksamkeitsbedürfnis, das ihm dann letzlich ja auch zum verhängnis wurde) und „arme, unverstandene künstlerseele mit weltschmerz“. leider tendiere ich immer wieder zu option 1.

    womit du definitiv recht hast, ist mit der aussage, wie er einflüsse in sprache umwandeln konnte. besonders mit new dawn fades hat er imho ein meisterwerk geschaffen: „it was me waiting for me, hoping for something more…“

    ja, curtis hats geschafft, schillernd ohne bunt zu sein, unscheinbar und doch kraftvoll, kleine rampensau und doch ganz brav. der wolf im schafspelz – mit schier endlosem musikalischen einfluss auf das, was danach kam und ggfs. noch kommen wird. heutzutage muß man sich dafür in lächerliche kostüme schmeißen, sich nackt präsentieren und sich einen dämlichen künstlernamen wie lady gaga geben (ich kann nicht glauben, dass das selbstironisch gemeint war…)
    grüßle, s.

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    1. Hallo S.!

      Verspätet möchte ich mich sehr herzlich für deine umfangreiche Antwort bedanken. Das ist ein abendfüllendes Thema …

      Lediglich eine Frage habe ich: Wieso ist der Vergleich mit Lady GaGa SELBSTironisch? ;)

      Liebe Grüße

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  3. „dass ich mit dem was ich habe klarkommen auskommen, mich damit zufriedenstellen muss. ‘Annehmen’ wird zum Motto, zur Lebenshymne.“

    Und Du nennst MICH Fatalistin… Ich gebe Dir ein paar Steine, die Du gezielt ins Glashaus werfen darfst, mein Lieber. :-)

    Nichts musst Du annehmen und nichts musst Du akzeptieren, Du kannst das – aber müssen musst Du nichts (Außer vielleicht atmen und essen, das wäre ganz praktisch)

    Es gibt keine große Marionettenhand, die Dich durchs Leben führen, das sind alles Deine eigenen Entscheidungen – Du alleine bestimmst, ob Du diese triffst oder ob sie für Dich getroffen werden. Ein Opfer bist Du nicht, höchstens von Dir selber. Daher bestimmst auch Du alleine, was Du zum klar-, auskommen brauchst und ob Dich das zufrieden macht.

    Wenn es das nicht tut, steht es Dir jederzeit frei etwas zu ändern. Mit Konsequenzen, aber das ist dennoch Deine eigene Entscheidung… :-)

    Ende Ohrzieh-Exkurs…. :-)

    Gefällt 2 Personen

      1. Ein umgekehrtes Dejá-Vu …

        Gehen wir in die Analyse:
        Als Déjà-vu [deʒaˈvy] (frz. „schon gesehen“) bezeichnet man ein psychologisches Phänomen (psychopathologische Bezeichnung: qualitative Gedächtnisstörung), das sich in dem Gefühl äußert, eine neue Situation schon einmal erlebt, gesehen, aber nicht geträumt zu haben.

        D.h. wenn Du das jetzt umdrehst erhälst Du was?

        Eine Situation, die Du noch nicht erlebt, aber erträumt hast? :-)

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